Wenn der Mut schwindet…

Angst im Umgang mit Pferden oder beim Reiten ist ein ergiebiges Thema. Angst, dieser unangenehme Begleiter, meldet sich auf unterschiedlichste Art und Weise bei einem jeden Reiter zu Wort. Ungefragt hockt er auf unserer Schulter oder als fiese, leise Stimme in unserem Kopf, als dumpfes Gefühl in unserem Bauch oder als nervöses Zittern in unseren Knien. Kurz gesagt: Angst führt zu extremen physischen Sinneswahrnehmungen. Und ja, das ist normal.

Ein jedes Shetlandpony hat mehr Kraft als ein Mensch und selbst wenn nicht körperlich, dann auch gerne mal in seinem sturen Kopf. Sich mit den Kräften eines Pferdes messen zu wollen, scheint nicht allzu weise. Vielmehr gilt es einen Weg der Kommunikation zu entdecken, auf den beide willentlich die eigenen zwei beziehungsweise vier Füße setzen möchten.

Findet sich dieser Weg nicht, kommt es gelegentlich zu Konflikten. Je nachdem, wie häufig solch negative Situationen provoziert werden, äußert sich die Disharmonie mehr oder weniger deutlich. Es mag ein blitzschnelles Schweifschlagen das erste Anzeichen von Unwohlsein auf Seiten des Pferdes sein. Im weiteren Verlauf vielleicht ein angedeutetes Ausschlagen als Drohgebärde, deren Ernst ein Artgenosse längst zu deuten gewusst hätte.

Wir Menschen neigen leider dazu, insbesondere in solchen Momenten unsere vermeintliche Überlegenheit demonstrieren zu wollen. Wohlwissend, dass die innere Unsicherheit in der Bewegung, der Stimme oder den Gedanken mitschwingt, versuchen wir, trotzdem überzeugend aufzutreten. Meist geht dies nach hinten los. Denn seien wir doch mal ehrlich: Wer ist schon so in seiner Persönlichkeit geschult, dass er in einer jeden Gefahrensituation mit Pferden überlegt und fair reagiert?

Die Angst als Prüfstein erkennen

Wichtiger als die Tatsache, dies zu erkennen, ist die Bereitschaft, die eigenen Fähigkeiten auszubauen. Anderenfalls kann aus einer Drohgebärde von Seiten des Pferdes schneller als gedacht ein ausgeprägtes Aggressionsverhalten werden. Von da an riskiert man den Spaß am Umgang mit dem Tier und an der Reiterei. Unzufriedene Pferde, deren Motivation augenblicklich schwindet, sobald der Besitzer im Anmarsch ist, gibt es zu Hauf. Steigende, beißende Pferde, die ihrer Angst und Unsicherheit nicht anders Ausdruck zu verleihen wissen, auch. Schlimm genug.

Also trauen wir uns, nach Lösungsansätzen zu suchen, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Trauen wir uns, ehrlich zu uns selbst zu sein. Trauen wir uns zu erkennen, wenn wir im Affekt verkehrt gehandelt haben und sehen wir ein, dass wir es besser können. Trauen wir uns, zuzugeben, dass wir manchmal den Rat von jemandem benötigen, der bereits ein wenig mehr Erfahrung hat. Auf diese Weise gewinnen wir Sicherheit und Erfahrung, sodass wir bewusst richtig handeln können. Die Pferde werden es uns danken.

„Fear is what stands at the door of your expansion.” (Ralph Smart, Psychologist)

Ein Gedanke zu „Wenn der Mut schwindet…

  • 5. Dezember 2014 um 10:58
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    Guten Tag Frau Behrens,

    eben habe ich Ihren Artikel in einem FB-Post gefunden. Wenn es willkommen ist, dann möchte ich an dieser Stelle gerne auf meinen Horse-Workshop PFERDEMENSCH aufmerksam machen, der sich unter anderem mit dem Thema Umgang mit Angst und zentral mit Selbstvertrauen beschäftigt. Man hat die Gelegenheit, sich mit dem Thema Angst unter meiner Anleitung als Coach zu beschäftigen, es regelrecht zu üben. Wann hat man schon einmal diese Gelegenheit – ausserhalb der akuten Präsenz von Angst?

    Unter dem Link https://followyourheartclosely.wordpress.com/pferde-mensch/ findet man auch einen Artikel von „Mein Pferd“ dazu, in dem die Autorin Anna Klocke ihre persönliche Erfahrung damit beschreibt.

    Herzliche Grüße
    Nina Fischer

    Antwort

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