Expect perfect!

Jeder von uns hat etwas, dass ihn antreibt. Für den einen mag es der Wunsch nach materiellem Reichtum sein, für den anderen der Wunsch nach einem harmonischen Miteinander. Für wieder andere ist es der Wunsch nach beruflichem Erfolg oder der Wunsch nach Gesundheit und Geborgenheit. Welcher Beweggrund es auch ist, fest steht, dass wir ihn wahrnehmen und verfolgen sollten.

Ausgelöst wird dieser Antrieb oftmals durch prägende Eindrücke. Man sieht einen Fremden im eigenen Traumauto vorbeifahren oder ist gerührt, weil ein altes Ehepaar am Nachbartisch sich in aller Vertrautheit in die Augen sieht und sich beieinander für die schöne Zeit bedankt. Beim Durchblättern einer Zeitschrift bleibt der Blick am faszinierenden Foto eines wunderschönen Urlaubsortes hängen oder man ist ergriffen von der Ausstrahlung eines talentierten Künstlers während eines Konzerts. Gleiches gilt für die Reiterei.

Heutige Vorbilder wurden für uns zu Vorbildern, weil sie uns einst berührten oder es immer noch tun. Man sah einen bestimmten Reiter mit einem bestimmten Pferd zu einer Einheit werden und das Schwierige sah plötzlich so einfach aus. „Da will ich auch hin!“ sagte die eigene innere Stimme und schon wusste man, wonach man strebt. Eine Zeit lang hält diese Inspiration an. Oft lässt sie sich auch mittels neuer, ähnlich schöner Eindrücke auffrischen. Dennoch kommt es durchaus vor, dass uns zeitweise ein trügerisches Bauchgefühl einen Strich durch die Rechnung machen will.

Euphorie vs. Frustration

Gedanken wie „Ich hab mich überschätzt“, „Ich bin viel zu unkoordiniert und ungeduldig dafür“ oder „Da wo die/der mit seinem Pferd steht, komme ich doch mit meinem eh nie an“ machen sich in unseren Köpfen breit und nehmen uns die Zuversicht. Die anfängliche beflügelnde Euphorie weicht einem wabernden Gefühl von Frustration, weil Fortschritte sich weniger schnell einzustellen scheinen als zu Beginn. Damals, als noch eine neue Übung die andere jagte und man den Hals gar nicht voll genug bekommen konnte. Damals, als noch so viel Neues vor einem lag und der Elan aufgrund von positiven Ausbildungserlebnissen keine Grenzen kannte.

Dabei reitet es sich doch so viel leichter, wenn man nach wie vor in die eigenen Kompetenzen vertraut. Wenn man nicht den Mut verliert, weiter zu experimentieren und Feinschliff in die eigenen technischen Fähigkeiten zu bringen. Wenn man nicht müde wird, den eigenen theoretischen Wissensstand kontinuierlich zu erweitern. Kurz um: Wenn man sich nicht an problematischen Kleinigkeiten aufhängt, sondern den Blick aufs große Ganze nicht verliert. Nobody is perfect. Da ist was dran. Aber gerade deshalb kann der Weg, mit den eigenen Unzulänglichkeiten umzugehen, ein perfektes Abenteuer werden. Also erwarten wir lieber nur das Beste von unserer reiterlichen Entwicklung und freuen wir uns darauf, unseren Idealen dabei Stück für Stück näher zu kommen.

„Ideale sind wie Sterne, man kann sie nicht erreichen, aber man kann sich an ihnen orientieren.“ (Carl Schurz)

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