„Alle Fehler sind Basisfehler!“ – Kursbericht Bent Branderup im Juli 2015

 

Mit diesem Statement startet der dänische Reitmeister Bent Branderup bereits morgens um 9 Uhr in der ersten Theorieeinheit in einen überaus spannenden Tag. Mit mir und meinem Lusitanowallach Caramello erleben knapp 100 Teilnehmer den 18. Juli 2015 auf der wunderschönen Reitanlage von Hartmut Wachter in Uelsby bei Schleswig. Dank der liebevollen Organisation durch die lizensierte Bent Branderup Trainerin Bianca Grön fühlt jeder sich gut umsorgt und aufgehoben. Acht Pferd-Reiter-Paare widmen sich an diesem Tag schwerpunktmäßig der Longen-, Boden- und Handarbeit im Sinne der akademischen Reitkunst.

Ja, alle Fehler sind Basisfehler. Die Basisarbeit wird durch diesen besonderen Ausbilder detailliert bei jedem der Teilnehmer überprüft. Im Stand werden Steifheiten im Pferdekörper erfühlt und bei gekonnter Hilfengebung behoben. Es werden unter der ruhigen und wissenden Anleitung von Bent Technik und Geschick, vor allem aber Verständnis, Blick und Gefühl geschult. Für den ein oder anderen mag gerade die Arbeit im Stand erst einmal untypisch, vielleicht sogar langweilig erscheinen. Dennoch lohnt es sich absolut, sich dafür Zeit zu nehmen. Spätestens nach der Hälfte des Tages wird klar: Arbeit im Stand ist nicht gleich Arbeit im Stand. Jeder Teilnehmer hat mit seinem Pferd unterschiedliche Baustellen, an denen es zu basteln gilt. Manchmal findet sich die Lösung in demselben Ansatz, derselben Hilfengebung. Manchmal muss sogar konträr gehandelt werden, um voranzukommen. Individualität wird bei dieser Art der Schulung von Mensch und Pferd außerordentlich großgeschrieben. Jedem das seine, wie mein Vater immer zu sagen pflegt.

„Minimalismus ist viel schwieriger zu entdecken, als Maximalismus.“

Wer kann erkennen, wenn das eigene Pferd dazu neigt, ein wenig zu viel Gewicht auf die äußere Schulter zu verlagern? Und wer kann es noch auf dem Weg dahin sanft dazu bewegen, es lieber in Richtung der inneren Hüfte zu bringen? Wer kann erkennen, dass einzelne Muskelbäuche drohen, sich zu verspannen und damit die Durchlässigkeit zu verhindern? Wer kann erkennen, dass das Pferd beim Annehmen einer vorsichtigen Parade mehr Last auf dem linken als auf dem rechten Fesselgelenk aufnimmt? Ja, es ist richtig. Der Teufel steckt im Detail. Mit Bent’s geschultem Blick und großem Erfahrungsschatz, ist es dennoch plötzlich leicht, ihn zu entlarven. Wer sich darauf einlassen kann, an kleinsten Baustellen eine saubere Arbeit auszuführen, wird schnell mit einem erhöhten Maß an Beweglichkeit und Eigeninitiative auf Seiten des Pferdes belohnt. Das ist für mich der Moment, in dem Pferdeausbildung echt wird.

 „Anlehnung heißt nicht, Gewicht auf dem Zügel zu haben, es heißt Informationen auszutauschen.“

Dieses hohe Ideal auch in Bewegung bei der Arbeit an der Longe bis hin zu Übergängen vom Schulgalopp zum Tèrre a Tèrre an der Hand beizubehalten, ist gar nicht mal so einfach. Die Zuschauer konnten sich aber an diesem Tag davon überzeugen, dass es durchaus möglich ist. „Schlechte Basis macht Ziele unmöglich“, so Bent. Umgekehrt heißt das ja, dass uns mit guter Basisarbeit alle Türen offen stehen. Wie schön! Wie wertvoll! Wie ermutigend!

„Entwickelt eure Kommunikation! Wenn Sprache sehr fein geschult wird, wird sie zu Poesie.“

Also auf geht’s: Schulen wir unsere Hände, damit sie beispielsweise unterschiedliche Intensitäten einer Parade an der Longe geben können. Schulen wir unserem Blick, damit er erkennen kann, wann ein Bein Schwung erzeugen kann und wann nicht. Schulen wir unseren Geist und unser Verständnis, um unseren Pferden ein guter Freund und Ausbilder sein zu können. Hui, viel zu tun! Ich bin dann mal im Stall… Wer kommt mit? 🙂

Bildrechte: Svenja Kock

Ein Gedanke zu „„Alle Fehler sind Basisfehler!“ – Kursbericht Bent Branderup im Juli 2015

  • 24. Juli 2015 um 8:46
    Permalink

    Danke für diesen Bericht, er motiviert noch mehr am Detail, an der Basis und vor allem an der einfühlsamen Kommunikation zu feilen und Freude an der Bewegung mit dem Pferd zu haben (beide Partner natürlich).
    Jayanthi

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